Frau Tuppack, Sie begleiten den Informatik-Biber seit seiner ersten offiziellen Wettbewerbsrunde im Jahr 2007. Wissen Sie noch, wie Sie damals auf den Wettbewerb aufmerksam geworden sind?
Ganz genau weiß ich das heute gar nicht mehr. Vermutlich war es eine Werbung oder eine E-Mail. Interessanterweise konnte ich das tatsächlich noch einmal nachschauen. Ich hebe meine alten Lehrerkalender als eine Art Zeitdokument auf und habe sie vor unserem Gespräch durchgeblättert. Im Kalender von 2006 findet sich noch kein Eintrag zum Informatik-Biber. Im November 2007 steht er dann zum ersten Mal drin. Damit war klar: Ich war tatsächlich von Anfang an dabei.
Sie gehören also zu den Lehrkräften der ersten Stunde. Was ist Ihnen aus den Anfangsjahren besonders in Erinnerung geblieben?
Mich hat damals sofort beeindruckt, wie professionell der Wettbewerb aufgebaut war. Als Lehrkraft könnte ich einen solchen Wettbewerb mit all seinen Aufgaben und der technischen Umsetzung niemals selbst entwickeln. Vor allem fand ich faszinierend, wie viel Informatik in den Aufgaben steckt.
Ich habe selbst Informatik nachstudiert. Viele Inhalte aus der theoretischen Informatik oder aus den formalen Sprachen erkennt man im Biber wieder. Nur werden sie so geschickt in Geschichten und Knobelaufgaben verpackt, dass die Schülerinnen und Schüler gar nicht das Gefühl haben, gerade theoretische Informatik zu bearbeiten. Genau das macht den Wettbewerb für mich bis heute so besonders.
Passte dieser Ansatz auch zu Ihrer eigenen Art zu unterrichten?
Absolut. Ich arbeite schon immer nach dem Prinzip „Learning by Doing“. Bei mir gibt es kaum klassische Theoriestunden. Ich erzähle den Schülerinnen und Schülern nicht erst lange etwas, bevor sie anfangen dürfen. Stattdessen arbeiten sie zunächst an einer Aufgabe. Wenn dabei Fragen entstehen oder ein informatisches Konzept benötigt wird, sprechen wir genau darüber.
Der Informatik-Biber passt perfekt zu dieser Unterrichtsphilosophie. Die Schülerinnen und Schüler entdecken informatische Zusammenhänge selbst und entwickeln ihre Lösungsstrategien eigenständig. Das finde ich wesentlich nachhaltiger als reinen Frontalunterricht.
Sie unterrichten Mathematik und Informatik. War das damals noch eher ungewöhnlich?
Ja. Eigentlich bin ich Mathematik- und Physiklehrerin und habe Informatik später zusätzlich studiert. Damals kamen viele Informatiklehrkräfte über den Quereinstieg zum Fach. Deshalb war es für mich besonders spannend zu erleben, wie breit der Informatik-Biber die verschiedenen Bereiche unseres Faches abbildet.
Wann haben Sie den Informatik-Biber zum ersten Mal mit Ihren Schülerinnen und Schülern durchgeführt?
Ich habe damals schon mit den fünften Klassen begonnen, im Lernmethodenunterricht. Das habe ich sogar noch in meinen Unterlagen gefunden. Mir war wichtig, die Kinder möglichst früh an informatisches Denken heranzuführen.
Welche Rolle spielte der Wettbewerb damals?
Für uns war von Anfang an selbstverständlich, den Wettbewerb am Computer durchzuführen. Das war ein großer Unterschied zu klassischen Papierwettbewerben.
Außerdem war Informatik damals noch etwas Neues. Viele Schülerinnen und Schüler interessierten sich sehr für Computer. Es wurde darüber gesprochen, wer den schnelleren Rechner oder mehr Speicher hatte. Informatik hatte damals noch einen besonderen Neuigkeitswert.
Heute gehört digitale Technik zum Alltag. Das Interesse ist dadurch nicht verschwunden, aber es hat sich verändert.
Hat sich dadurch auch der Blick der Schülerinnen und Schüler auf Informatik verändert?
Ja, das würde ich schon sagen. Früher war Informatik für viele etwas völlig Neues und deshalb besonders spannend. Heute ist vieles selbstverständlich geworden.
Wir sind allerdings ein naturwissenschaftliches Spezialgymnasium mit Aufnahmeprüfung. Viele unserer Schülerinnen und Schüler bringen ohnehin ein großes Interesse an Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik mit. Gerade deshalb finde ich es wichtig, nicht nur in einer Richtung zu unterrichten. Ein halbes Jahr nur Programmieren oder ausschließlich Tabellenkalkulation wäre mir viel zu einseitig.
Der Informatik-Biber bringt eine wunderbare Abwechslung in den Unterricht. Er zeigt die ganze Bandbreite der Informatik und macht deutlich, wie vielfältig das Fach eigentlich ist.
Gab es an Ihrer Schule von Anfang an eine große Begeisterung für den Wettbewerb?
Der Wettbewerb hat sich bei uns Schritt für Schritt etabliert. Anfangs habe ich die organisatorischen Aufgaben übernommen, Informationen verteilt, Listen vorbereitet und später die Urkunden sortiert.
Inzwischen gehört der Informatik-Biber fest zum Schuljahr. Mehrere Kolleginnen und Kollegen führen ihn durch.
Neue Lehrkräfte müssen manchmal erst entdecken, was eigentlich hinter den Aufgaben steckt. Manche fanden zunächst beispielsweise den Jugendwettbewerb Informatik interessanter. Mit der Zeit merken sie aber, dass beide Wettbewerbe ganz unterschiedliche Ziele verfolgen und sich hervorragend ergänzen.
Viele halten den Informatik-Biber zunächst für einen Knobelwettbewerb.
Das höre ich öfter. Aber genau darin liegt seine Stärke.
Auf den ersten Blick wirken die Aufgaben spielerisch. Man könnte denken, es gehe einfach ums Knobeln oder Raten. Erst wenn man genauer hinsieht, erkennt man, welche komplexen informatischen Überlegungen dahinterstehen. Genau das gefällt mir so gut. Der Wettbewerb vermittelt Informatik, ohne dass sie sich wie trockene Theorie anfühlt.
Es ist eben keine Spielerei.
Hat sich der Wettbewerb selbst seit 2007 stark verändert?
In seiner Grundidee eigentlich gar nicht. Die Aufgaben greifen heute wie damals lebensnahe Situationen auf und regen zum informatischen Denken an. Das funktioniert nach wie vor sehr gut.
Natürlich hat sich technisch vieles verbessert. Gerade in den ersten Jahren gab es gelegentlich kleinere technische Schwierigkeiten. Heute läuft alles deutlich stabiler. Auch die Anmeldung und die Organisation sind einfacher geworden.
Das spart Zeit und erleichtert den Schulen die Durchführung erheblich.
Gibt es Entwicklungen, die Sie besonders begrüßen?
Ja, mehrere.
Sehr gut gefällt mir, dass die Schülerinnen und Schüler nach dem Wettbewerb unter ihrem Login die Aufgaben noch einmal bearbeiten können. Natürlich werden die Ergebnisse dann nicht mehr gewertet, aber wir können die Aufgaben gemeinsam besprechen und verschiedene Lösungswege anschauen. Das ist für den Unterricht ausgesprochen wertvoll.
Außerdem finde ich die Erläuterungen zu den informatischen Hintergründen hervorragend. Ich meine mich zu erinnern, dass es diese in den ersten Jahren noch nicht in dieser Form gab. Heute wird erklärt, welches informatische Konzept hinter einer Aufgabe steckt. Das ist nicht nur für die Schülerinnen und Schüler hilfreich, sondern auch für den Unterricht insgesamt.
Nutzen Sie die Aufgaben auch außerhalb des Wettbewerbs?
Ja. Die Trainingsaufgaben setzen wir regelmäßig ein. Und wenn Schülerinnen oder Schüler schneller fertig sind oder wir im Unterricht etwas Zeit haben, können sie sich auch Aufgaben aus früheren Wettbewerben anschauen.
Dadurch begleitet der Informatik-Biber den Unterricht weit über die eigentliche Wettbewerbswoche hinaus.
Welche Bedeutung hat der Informatik-Biber heute an Ihrer Schule?
Er gehört inzwischen einfach dazu. Die Schülerinnen und Schüler kennen den Wettbewerb, besonders für die jüngeren Klassen ist die erste Teilnahme oft etwas Besonderes.
Der Wettbewerb ist ein fester Bestandteil unseres Angebots geworden.
Wenn Sie den Informatik-Biber in wenigen Sätzen beschreiben müssten: Was macht ihn so besonders?
Für mich sind es vor allem die Aufgaben.
Sie machen Spaß, motivieren die Schülerinnen und Schüler und vermitteln gleichzeitig eine erstaunlich große Bandbreite informatischer Denkweisen.
Und sie schaffen etwas, das im Unterricht gar nicht so leicht ist: Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich intensiv mit Informatik, ohne das Gefühl zu haben, trockene Theorie zu lernen.
Zum Schluss: Was wünschen Sie dem Informatik-Biber zum 20. Wettbewerb?
Ich wünsche dem Wettbewerb, dass er noch viele Jahre besteht und weiterhin so viele Menschen für Informatik begeistert.
Vor allem wünsche ich mir, dass dieses große Engagement erhalten bleibt, sowohl bei den Organisatorinnen und Organisatoren als auch bei den vielen Lehrkräften, die den Wettbewerb jedes Jahr an ihre Schulen bringen.
Und ich möchte einfach einmal Danke sagen. Der Informatik-Biber unterstützt uns Lehrkräfte im Unterricht auf eine Weise, die wir selbst mit vertretbarem Aufwand niemals leisten könnten. Dafür bin ich wirklich dankbar.