Wenn du an deinen ersten Informatik-Biber zurückdenkst: Was kommt dir als Erstes in den Sinn?
Nur noch ganz blass, aber ich würde tippen, das war im Referendariat 2011. Neugier vor allem, und ich war ein bisschen aufgeregt. Informatik war damals an vielen Schulen noch kein selbstverständliches Thema. Ich habe den allerersten sogar selbst mit einem Dummy-Account mitgemacht. Der Wettbewerb wirkte auf mich frisch und anders als klassische Wettbewerbe, weil er ohne Programmierkenntnisse auskam und das logische Denken in den Mittelpunkt gestellt hat.
Wie bist du auf den Wettbewerb aufmerksam geworden, und was hat dich gereizt mitzumachen?
Wir hatten ihn damals schon an der Schule. 2011 oder 2012 habe ich dann direkt die Organisation übernommen. Das war kein Wegschieben von einem Kollegen, sondern er wollte mir im Referendariat die Möglichkeit geben, mich auch organisatorisch zu zeigen. Und ich habe mich gefreut, weil ich damit Schülerinnen und Schüler weiter für das Fach begeistern konnte. Die Anmeldung war schon damals wenig Aufwand, aber Raumplanung und die Absprache mit allen Kursen, darum musste ich mich kümmern.
Welche Bedeutung hatte der Biber damals für deine Schülerinnen und Schüler?
Gerade für die Kleinen war das oft die erste Begegnung mit informatischem Denken. Die Botschaft war: Informatik ist mehr als Programmieren oder einen Computer bedienen. Es geht um logisches Denken, ums Knobeln, das macht Informatik eigentlich aus.
Welche Rolle spielte er damals im Schulalltag, und welche spielt er heute?
Damals war es freiwillig, vor allem in einigen MINT-Klassen, es haben also nicht nur Informatikkurse teilgenommen. Heute decken wir die Fünfer und Sechser über die Informatikkurse flächendeckend ab, weil Informatik Pflichtfach ist. Und aus dem Zusatzangebot ist ein fester Bestandteil des Schuljahres geworden. Die Schülerinnen und Schüler fragen von sich aus nach, manche schon im Sommer, ob der nächste Biber bald kommt. Sie fordern ihn fast ein.
Wenn du die ersten Biber-Runden mit heute vergleichst: Was hat sich am stärksten verändert?
Es ist professioneller geworden. Aber schon damals fand ich, dass ein sehr breites Bild von Informatik abgebildet wurde, auch jenseits dessen, was der Lehrplan einer Jahrgangsstufe vorsieht. Auch heute hat ja nicht plötzlich alles mit KI zu tun. Themen werden spielerisch angeboten, die ich in der Oberstufe behandle, aber auf einem Niveau, das in jeder Jahrgangsstufe funktioniert, ohne großes Fachwissen, aber trotzdem herausfordernd. Man muss lesen, denken, knobeln.
Was ist konkret besser geworden?
Die Flexibilität und die Praktikabilität. Früher war es eine Biberwoche, heute sind es zwei. Und man kann unterjährig üben. Damals war es teilweise so knapp, dass man es mit Anmeldung gerade so in eine Schulstunde bekam. Heute schaffen die kleinen Klassen es in dreißig bis vierzig Minuten plus fünf Minuten Anmeldung. Das ist bequem durchführbar.
Hat sich verändert, wie Schülerinnen und Schüler auf den Biber reagieren?
Ich würde nicht sagen, die Aufgaben seien aus der Zeit gefallen, und ob sie genau die Lebenswelt treffen, auch nicht ganz. Eher ein Mittelding. Entscheidend ist: Selbst die, die im Informatikunterricht nicht mit absoluter Begeisterung dabei sind, machen beim Biber wirklich gerne mit, weil er diesen spielerischen Charakter hat.
Wie war die Resonanz in den Anfangsjahren im Kollegium und bei den Eltern, und wie ist sie heute?
Bei uns war sie schon relativ hoch, weil bei neuen Sachen Neugier da war und Wettbewerbe früher vielleicht sogar noch stärker im Fokus standen. Bei den Schülerinnen und Schülern war es eigentlich immer gut. Im Kollegium ist die Akzeptanz aber deutlich gestiegen. Viele, gerade in den Naturwissenschaften, haben ihn in ihren Kursen kennengelernt. Und mal ehrlich: Es ist für Lehrkräfte auch nett, eine Stunde nicht vorbereiten zu müssen und zu wissen, da ist ein guter Wettbewerb, tolle Aufgaben, die Kinder haben Spaß. Manchmal setzt man sich daneben und knobelt selbst mit, ohne etwas zu verraten.
Was kann der Biber besonders gut, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche für Informatik zu begeistern?
Er zeigt auf spielerische Weise, wie spannend, kreativ und alltagsnah Informatik sein kann. Dass Informatik mehr ist, als am Rechner zu sitzen und zu coden. Gerade in den Jahrgängen, in denen Informatik noch nicht verpflichtend war, hat er das Klischee aufgebrochen, nicht Hacken, nicht Nerd-Sein, sondern ein spielerisches, logisches Gebiet. Ich bin überzeugt, dass das manche erst neugierig gemacht hat.
Gibt es etwas, das er heute besser kann als früher?
Er wird besser vermarktet, würde ich sagen. Ihr seid viel auf Messen aktiv, es gibt Radiergummis, Bleistifte, Schlüsselanhänger. Die Poster finde ich sehr schön gestaltet und noch mal ansprechender als früher. Bei den Preisen hätte ich einen Wunsch: Ich fand die Holz-USB-Sticks damals richtig gut. Vielleicht lieber weniger, dafür hochwertigere Preise für die, die besonders erfolgreich abgeschnitten haben, ein kleiner Stoff-Schlüsselanhänger am Ranzen wäre so ein Erkennungsmerkmal. Dem Motto „Biber für alle“ widerspricht das nicht: Teilnehmen kann jeder, eine Urkunde bekommt jeder.
Und wird der Biber dem Motto „Biber für alle“ gerecht?
Auf jeden Fall. Ich brauche keine Voraussetzungen aus dem Unterricht, keine Programmierkenntnisse, keine Kenntnisse von Algorithmen. Alles, was ich zum Lösen brauche, steckt in der Aufgabe selbst, und das ist gut bebildert. Ich muss mich nicht vorbereiten, ich brauche kein Training. Jedes Kind, das Lust hat zu knobeln und die Aufgaben in Ruhe durchliest, kann einen Großteil lösen.
Was hältst du davon, dass der Biber jetzt auch für dritte und vierte Klassen geöffnet ist?
Im Sinne von „Biber für alle“ eine wirklich gute Sache. Schön finde ich auch, dass er nicht schon in Klasse eins ansetzt, da ist das Lesen noch schwierig, und die Kinder müssen nicht ans Endgerät. Und es könnte einen schönen Effekt haben: Kinder kommen von der Grundschule an eine weiterführende Schule, die den Biber noch nicht macht, und sagen: Warum machen wir den denn jetzt nicht mehr? So bringen sie ihn mit.
Apropos Lesen: Wir hören manchmal, die Texte seien zu lang.
Ich finde die Textlänge absolut angemessen. Man muss nicht bei allem mit der Zeit gehen. Umgekehrt dürfen wir an der weiterführenden Schule erwarten, dass Schülerinnen und Schüler sich eine halbe Stunde konzentrieren, einen Absatz lesen und verstehen können, und auch ein bisschen Frustrationstoleranz entwickeln, wenn eine Aufgabe mal nicht aufgeht. Es gibt ja keine Note. Ich kann überspringen und zurückkommen. Ich habe großes Vertrauen in eure Aufgaben.
Du hast versucht, den Biber in die Grundschule deines Kindes zu tragen. Welche Bedeutung misst du dem bei?
Das ist mein Plan, ein bisschen als Botschafter. Wenn es die Grundschule nicht macht, mache ich es ab der dritten Klasse privat mit meinen Kindern. Aber ich möchte die Schule anstecken, für Klasse drei und vier teilzunehmen. Ich glaube, es ist dort einfach organisatorisch untergegangen; die Schulleiterin steht dem grundsätzlich offen gegenüber. Da muss ich mit etwas mehr Vehemenz dran und anbieten: Ich kümmere mich ums Eintragen, ich komme vorbei, wir machen das gemeinsam online. Es ist eine halbe Stunde im Schuljahr, sinnvoll genutzt. Und wichtig ist mir, dass es im Unterricht stattfindet, nicht nur im Nachmittagsbereich, OGS und Schule sind in Deutschland ja immer noch getrennt.
Gibt es eine Anekdote, eine Situation oder einen Moment aus all den Biber-Durchgängen, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Da kommt wieder das Stofftier ins Spiel. Der Stoffbiber wurde bei den Kleineren fast eingefordert. Er sollte bei der Durchführung dabei sein, als Glücksbringer neben den Kindern am Rechner stehen. Dadurch wird das Ganze greifbar. Der Biber ist eben kein Akronym, sondern ein Tier mit Identität, fast schon eine Marke. Und wir hatten das Glück, dass ihr mit RTL bei uns wart. Auch wenn am Ende nur ein Bruchteil gesendet wurde: Die Kamera mitzuerleben und interviewt zu werden, fanden die Kinder spannend. Dass das so in die Welt hinausgetragen wird.
Und noch eine Anekdote: Ich durchforste den Aufgabenpool regelmäßig, weil das so schöne Aufgaben aus den verschiedensten Bereichen sind und alles gut geordnet ist. Zum Thema Automaten gab es mal eine Aufgabe zu einer Weltraumreise mit Raketen und UFOs, die zwischen Planeten hin und her reisen. Die habe ich als Grundlage genommen, etwas angepasst, und führe damit das Thema in Klasse fünf und sechs spielerisch ein.
Was möchtest du dem Informatik-Biber zum Jubiläum mit auf den Weg geben?
Zunächst herzlichen Glückwunsch zum einundzwanzigsten Geburtstag. Und einen riesigen Dank an den Biber und an alle Leute dahinter, ich finde großartig, was ihr im Hintergrund leistet. Ich wünsche dem Biber, dass er auch in Zukunft viele junge Menschen für Informatik begeistert und ihnen zeigt, dass die digitale Welt nicht nur genutzt, sondern verstanden werden muss, um sie zu gestalten. Und ich wünsche mir weitere zwanzig, einundzwanzig Jahre und mehr, dass ich den Biber bis zu meiner Pensionierung durchführen kann, wenn vielleicht auch an anderer Stelle. Ich hoffe sehr, dass auch eure Geldgeber das sehen und weiter unterstützen, weil der Biber wirklich einen Beitrag für das Fach Informatik leistet.
Schön finde ich außerdem den persönlichen Kontakt, der entstanden ist, wenn man sich beim Informatiktag oder an der RWTH Aachen am Stand trifft. Das macht den Biber für mich besonders. Und ihr sitzt ja auch in Bonn, das ist für mich der Bonner Biber. Ich betreue auch andere Wettbewerbe, aber der Biber ist mein Herzenswettbewerb, seit über vierzehn Jahren an der Schule, mein Lieblingswettbewerb.