Erst Teilnehmer, dann Lehrer

Christoph Rauwolf

Christoph Rauwolf hat den Informatik-Biber vermutlich 2007 als Schüler im ersten Informatik-Leistungskurs seiner Schule mitgemacht, es war sein erster Informatikwettbewerb überhaupt. Heute führt er den Biber als Informatiklehrer mit seinen eigenen Klassen durch.

Zum 20. Informatik-Biber haben wir mit ihm darüber gesprochen, warum er sich an die Aufgabe zu Schadsoftware aus seinem ersten Wettbewerb noch erinnert, was sich seit 2007 verändert hat und was er sich beim Schulpreis anders wünscht.

Ach, das ist Informatik, das macht mir Spaß, das kann ich.

Das Interview

Sie gehören zu den Menschen, die den Informatik-Biber von Anfang an aus zwei Perspektiven kennen: als Teilnehmende und heute als Lehrkraft. Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Teilnahme?

Ja, daran erinnere ich mich noch ganz gut. Wir waren der erste Informatik-Leistungskurs an meiner Schule, das war damals alles neu. Wir saßen im Computerraum unten im Keller und haben an diesem Wettbewerb teilgenommen, es war auch mein allererster Informatikwettbewerb überhaupt. Die Aufgaben haben mir großen Spaß gemacht, und am Ende gab es im Kurs noch eine große Diskussion über eine Aufgabe zu Schadsoftware in Netzwerken, ob so etwas nur den eigenen Rechner betrifft oder auch andere Computer und das Netzwerk als Ganzes gefährden kann. Das war vermutlich 2007, einer der ersten Biber-Wettbewerbe überhaupt, damals war ich in der 12. Klasse (Abitur 2008).

Was hat den Informatik-Biber damals aus Ihrer Sicht besonders gemacht?

Die Preise fand ich damals toll, die Erstplatzierten haben einen iPod Nano bekommen. Es gab sogar einen Beitrag in der Lokalzeitung, man wurde von der Familie darauf angesprochen, das hat mich als Schüler schon sehr stolz gemacht. Was den Wettbewerb bis heute besonders macht: Es geht um Problemlösen und Logik, nicht um Faktenwissen oder konkrete Programmierkenntnisse. Dadurch ist die Hemmschwelle gering, man muss nicht schon gut in Informatik sein, um teilzunehmen, sondern kann relativ unbedarft herangehen und hat dann oft ein Aha-Erlebnis: „Ach, das ist Informatik, das macht mir Spaß, das kann ich.“ Als Lehrkraft schätze ich außerdem, dass der Organisationsaufwand sehr gering ist, anders als bei manchen anderen Wettbewerben, wo Schülerantworten mühsam eingegeben, Aufgaben vorbereitet oder selbst korrigiert werden müssen. Das macht es auch leichter, Kolleginnen und Kollegen für eine Teilnahme zu gewinnen.

Hat die Teilnahme damals Ihren Blick auf Informatik beeinflusst oder Ihren weiteren Weg geprägt?

Ich würde sagen, sie hat mich darin bestärkt, dass Informatik Spaß macht und die Inhalte spannend sind, und mich motiviert, mich weiter damit zu beschäftigen. Dass sie mich erst zur Informatik gebracht hätte, würde ich nicht sagen, ich hatte den Informatik-Leistungskurs ja schon gewählt und wusste, dass mich das Fach interessiert. Aber bestärkt und motiviert hat sie mich auf jeden Fall.

Wie kam es dazu, dass Sie später selbst Informatiklehrer geworden sind?

Ich habe schon früh gerne anderen etwas beigebracht, zum Beispiel Nachhilfe gegeben, ich arbeite gerne mit Menschen. Und Informatik ist für mich mit das beste Fach, das es gibt, weil es unglaublich viele Anwendungen im Alltag hat. Ich mag das Knobeln und Nachdenken, deshalb mag ich auch Mathematik, aber Informatik ist noch etwas praktischer: Wenn man die Grundlagen einmal hat, kann man selbst kleine Programme oder Apps schreiben und bekommt sofort Feedback, ob etwas funktioniert oder nicht. Das begeistert mich schon an der Mathematik, nur ist es in der Informatik noch direkter anwendbar.

Wie war für Sie der Perspektivwechsel, den Informatik-Biber später als Lehrkraft mit den eigenen Schülerinnen und Schülern durchzuführen?

Das hatte schon etwas Nostalgisches. Ich habe den Schülerinnen und Schülern erzählt, dass ich selbst früher an dem Wettbewerb teilgenommen habe, und habe mich dabei erst mal ein bisschen alt gefühlt. Aber es war auch etwas Schönes, als würde sich ein Kreis schließen. Es hat mich schon damals wieder in den Fingern gejuckt, mich selbst an die Aufgaben zu setzen, und das ist bis heute so geblieben.

Wie erleben Ihre Schülerinnen und Schüler den Wettbewerb heute?

Ich glaube nicht, dass es einen großen Unterschied gibt, wobei sich die gesamte Wettbewerbskultur etwas verändert hat, oder ich hatte als Schüler einfach eine andere Sicht darauf. Früher gab es aus meiner Erinnerung nicht so ein breites Angebot an Wettbewerben, und die, die es gab, waren oft auf Exzellenz ausgelegt, Richtung Olympiaden, mit wenigen gezielt ausgewählten und vorbereiteten Schülerinnen und Schülern. Das war etwas völlig anderes, als das, was der Informatik-Biber erreichen will, und das finde ich auch gut so. Nach meiner Beobachtung haben die meisten Schülerinnen und Schüler Spaß daran und freuen sich auf den Wettbewerb. Danach wird oft angeregt über die Aufgaben diskutiert, das ist immer ein gutes Zeichen. Urkunden und Preise motivieren zusätzlich, wobei die Preise heute, bedingt durch die breite Teilnehmerzahl und begrenztes Budget, eher niederschwellig sind. Es ist für uns Organisatoren gar nicht so leicht zu wissen, welche Preise bei Schülerinnen und Schülern wirklich gut ankommen, das geht manchmal auch daneben. USB-Sticks werden zum Beispiel immer noch gerne genutzt, gerade weil sie praktisch sind: Auf Schulcomputern ist nicht alles automatisch mit der Cloud synchronisiert wie zu Hause, sodass ein Stick einem am Stundenende ein paar Schritte erspart. Auch Kugelschreiber kommen gut an, weil sie praktisch nutzbar sind und an den Wettbewerb erinnern, wichtig ist dabei, in der vorhandenen Preisklasse auf Qualität zu achten, sonst wirkt es eher minderwertig. Auch Taschen bzw. Turnbeutel kamen gut an. Weniger gut kommen dagegen Knobelspiele (die schnell kaputtgehen) und Textmarker an.

Gibt es Erlebnisse oder Beispiele, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben sind?

Konkrete Einzelfälle fallen mir nicht so viele ein, es ist eher die Aufregung nach dem Wettbewerb, dass viel diskutiert wird, „was hast du bei der Aufgabe gemacht, warum ist das so?“ Als Lehrkraft kann man da oft anknüpfen und zum Beispiel erklären, dass eine Aufgabe eigentlich etwas mit binären Bäumen oder versteckter Graphentheorie zu tun hat. Das sind meist nur zwei oder drei Schülerinnen und Schüler, aber für die ist es genau richtig, und sie beschäftigen sich dann weiter damit. Schön finde ich auch, dass man immer wieder sieht, dass Schülerinnen und Schüler ihre Biber-Preise noch benutzen, zum Beispiel den Biber-USB-Stick.

Was unterscheidet den Informatik-Biber aus Ihrer Sicht von anderen Wettbewerben?

Vor allem, dass er so niederschwellig ist, aus Lehrerperspektive durch den geringen organisatorischen Aufwand, wodurch ich auch leicht Schülerinnen, Schüler und Kolleginnen und Kollegen motivieren kann. Für die Schülerinnen und Schüler ist es, dass die informatischen Inhalte nicht direkt „ins Gesicht schlagen“, sondern eher versteckt in Knobel- und Rätselaufgaben stecken, mit denen sie sich gerne auseinandersetzen. Hinzu kommt, dass der Wettbewerb mittlerweile stark nach Altersstufen differenziert ist, sodass Kinder schon sehr früh teilnehmen können, für viele ist das der erste, wenn auch versteckte, Kontakt mit Informatik. Das ist in Rheinland-Pfalz besonders relevant: Informatik ist dort aktuell (noch) kein Pflichtfach, sondern kann in der 9. und 10. Klasse freiwillig als Wahlfach mit zwei zusätzlichen Nachmittagsstunden pro Woche gewählt werden, das schreckt viele ab, gerade in dem Alter. Anders als bei Fächern wie Mathematik oder Englisch, die alle schon kennen, wissen viele Schülerinnen und Schüler in der Oberstufe bei der Kurswahl gar nicht, was Informatik eigentlich ist, wenn sie vorher nie damit in Berührung gekommen sind, das kann die Kurswahl entscheidend beeinflussen. Deshalb versuchen wir, gerade in den unteren Jahrgangsstufen zum Beispiel mit informatischen Spielen in Vertretungsstunden zu zeigen: Auch das ist Informatik, nicht nur Programmieren oder Excel-Tabellen den ganzen Tag.

Welche Fähigkeiten und Kompetenzen entwickeln Kinder und Jugendliche durch die Teilnahme?

Vor allem Problemlösefähigkeit und logisches Denken, außerdem Zeiteinteilung, man muss lernen, eine Aufgabe zwischendurch auch mal zu überspringen und später wieder aufzugreifen, sowie strukturiertes Arbeiten. Seit der Einführung der Teamarbeit kommt außerdem die Zusammenarbeit dazu: Lösungen werden gemeinsam diskutiert, Argumente abgewogen. Das sind alles Kompetenzen, die dabei eine Rolle spielen.

Sie kennen den Wettbewerb seit seinen Anfängen. Was hat sich seit 2007 verändert, und was ist gleich geblieben?

Die Grundidee des Wettbewerbs ist meiner Wahrnehmung nach gleich geblieben, das finde ich gut. Verändert hat sich zum Beispiel, dass inzwischen Teamarbeit möglich ist, was besonders anfangs unsichere Schülerinnen und Schüler motiviert. Das Angebot ist heute viel differenzierter, mittlerweile sogar für Grundschulen, sodass praktisch jede Schülerin und jeder Schüler teilnehmen kann. Ich erinnere mich noch an die Aufgabe zu Schadsoftware in Netzwerken aus meinem ersten Wettbewerb, im Rückblick fand ich diese Aufgabe eigentlich nicht gut, weil sie einen recht konkreten fachlichen Inhalt voraussetzte, den man ohne entsprechenden Unterricht nicht unbedingt lösen konnte. Solche Aufgaben gibt es inzwischen kaum noch, das finde ich sehr positiv, denn je losgelöster die Aufgaben von konkretem Vorwissen sind, desto fairer sind sie. Auch technische Probleme, wie dass Bearbeitungen beim Abgeben plötzlich verschwunden waren oder Schülerinnen und Schüler gar nicht erst anfangen konnten, gibt es heute deutlich seltener. Und wie bereits erwähnt: Die Preise sind, budgetbedingt bei wachsender Teilnehmerzahl, kleiner geworden.

Warum würden Sie anderen Lehrkräften empfehlen, mit ihren Klassen am Informatik-Biber teilzunehmen?

Zum einen, weil er für Schülerinnen und Schüler motivierend ist, viele haben ein Aha-Erlebnis, und Urkunden und Preise am Ende motivieren zusätzlich. Zum anderen, weil er für Kolleginnen und Kollegen mit sehr wenig Aufwand verbunden ist. An unserer Schule sind wir nur zwei bis zweieinhalb Informatiklehrkräfte, um den Wettbewerb in die Breite zu tragen, sind wir auf die Unterstützung der Mathematik-Kolleginnen und -Kollegen angewiesen, die wir aber nicht zu einer Teilnahme zwingen können. Da ist es sehr hilfreich, sagen zu können: Ihr müsst kaum etwas tun, nur den Schülerinnen und Schülern einen Link geben, und es kostet auch kaum Unterrichtszeit, man kann es sogar in Vertretungsstunden machen. Und manchmal entdeckt man dabei auch versteckte Talente, das ist dann noch ein schöner Nebeneffekt.

Gibt es etwas, das Sie sich für die Zukunft des Informatik-Bibers wünschen würden?

Vor allem würde ich mir wünschen, dass man das Preismodell für Schulpreise noch einmal überdenkt. Aktuell wird das Kriterium für einen Schulpreis oft an der absoluten Teilnehmerzahl festgemacht, damit haben es kleine Schulen naturgemäß schwerer. Zudem führt das dazu, dass manche Schulen versuchen, möglichst viele Schülerinnen und Schüler zur Teilnahme zu bewegen, teils fast genötigt, damit die Schule die nötigen Zahlen für ein Zertifikat erreicht. Das finde ich schade, weil dabei der Spaß-Gedanke verloren geht und es eher demotivierend wirkt. Eine Mischung aus Quantität und Qualität als Kriterium, etwa wie gut die Teilnehmenden abschneiden, könnte hier sinnvoller sein. An meiner eigenen Schule handhabe ich es so, dass alle Schülerinnen und Schüler mit dem Fach Informatik teilnehmen, und allen anderen wird über die Mathematiklehrkräfte und einen schulinternen Messenger ein Angebot gemacht, ohne Druck aufzubauen. Von mehreren Biber-Wettbewerben im Jahr, wie es sich manche Lehrkräfte wünschen, halte ich dagegen eher wenig. Positiv finde ich die neue Möglichkeit, unterjährig einen Probe-Biber mit eigenen Aufgabenmodulen aufzusetzen.

Ich finde die Dreiteilung aus Informatik-Biber, Jugendwettbewerb Informatik und Bundeswettbewerb Informatik sehr gelungen, weil die Formate mit steigendem Niveau aufeinander aufbauen. Besonders am Bundeswettbewerb schätze ich, dass er am ehesten abbildet, wie Informatik tatsächlich funktioniert: Man setzt sich über längere Zeit mit einem Problem auseinander, arbeitet in der ersten Runde teils im Team, muss Ideen richtig ausarbeiten. Diese schriftlichen Ausarbeitungen bereiten die Schülerinnen und Schüler zudem auf wissenschaftliches, quellengestütztes Arbeiten vor, ähnlich wie eine Facharbeit, die in NRW aufgrund von KI zunehmend infrage gestellt bzw. abgeschafft wird, was ich schade finde.

Ein konkreter Wunsch an den Bundeswettbewerb wäre, für die Werbung bei Schülerinnen und Schülern jeweils ein bis zwei ausgearbeitete Beispielaufgaben mit Musterlösung bzw. Erwartungshorizont für das Junior- und das Seniorniveau bereitzustellen. Aktuell bastle ich mir so etwas selbst zusammen bzw. zeige Ausarbeitungen ehemaliger Schülerinnen und Schüler, weil viele am Anfang unsicher sind, was inhaltlich und formal von ihnen erwartet wird.

Organisatorisch ist die zeitliche Lage des Bundeswettbewerbs eine Herausforderung: Die erste Runde beginnt am 1. September, Abgabeschluss ist Ende November, also direkt zu Schuljahresbeginn. Elftklässlerinnen und Elftklässler sind zu diesem Zeitpunkt programmiertechnisch meist noch nicht so weit, dass eine sinnvolle Teilnahme möglich wäre, selbst wenn einzelne schon programmieren können, fehlen ihnen oft noch nötige Inhalte wie etwa Graphenalgorithmen. In der 12. Klasse passt das Niveau meist, in der 13. Klasse steht dagegen meist das Abitur im Fokus. Dadurch gibt es faktisch nur ein Zeitfenster pro Jahrgang für eine sinnvolle Teilnahme. Aus Schülersicht wäre eine zeitliche Verschiebung des Bundeswettbewerbs näher an die anderen Wettbewerbe unproblematisch, da wer für den Bundeswettbewerb gut genug ist, ohnehin kaum noch am Biber oder Jugendwettbewerb teilnimmt bzw. dafür nicht extra übt, organisatorisch sehe ich aber, dass das auf Veranstalterseite zu Kollisionen führen kann.

Um dieses enge Zeitfenster besser zu nutzen, habe ich letztes Jahr erstmals ein freiwilliges Vorbereitungs-Camp angeboten: Alle Informatikschülerinnen und -schüler wurden dazu eingeladen, man traf sich morgens zum gemeinsamen Frühstück in der Schule, ging die Aufgaben gemeinsam durch und konnte dabei auch Teams bilden, was sonst schwierig ist, wenn in einem Kurs nur ein oder zwei Personen für den Bundeswettbewerb infrage kommen. Das hat dazu geführt, dass in der ersten Runde des Bundeswettbewerbs merklich mehr Schülerinnen und Schüler teilgenommen haben.

Der Informatik-Biber feiert in diesem Jahr seine 20. Auflage. Worauf sind Sie mit Blick auf seine Entwicklung besonders stolz?

Darauf, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler teilnehmen und dadurch einen Einblick in die Informatik bekommen, insbesondere auch Mädchen. Das betone ich bewusst, weil der Frauenanteil in der Informatik allgemein und besonders bei anspruchsvolleren Wettbewerben wie dem Bundeswettbewerb sehr gering ist; in meinen Leistungskursen sitzen kaum bis keine Mädchen. Beim Informatik-Biber scheint mir das noch nicht so ein großes Problem zu sein, und dadurch werden dort auch Mädchen erreicht und motiviert, einen Einstieg in die Informatik zu finden.

Und zum Abschluss: Was wünschen Sie dem Informatik-Biber für die nächsten 20 Jahre?

Dass er noch lange bestehen bleibt, im Prinzip genauso weitergeht wie bisher, und dass damit immer noch mehr Schülerinnen und Schüler erreicht werden können.

Christoph Rauwolf

Informatiklehrer. Er hat den Informatik-Biber 2007 als Schüler der 12. Klasse im ersten Informatik-Leistungskurs seiner Schule mitgemacht. Heute führt er den Wettbewerb mit allen Informatikklassen durch und wirbt über die Mathematiklehrkräfte für die Teilnahme der übrigen Klassen.

Weitere Stimmen zum Informatik-Biber

Das Interview ist Teil der Serie zum 20. Informatik-Biber. Alle Interviews, Aufgaben aus der Schatztruhe und Material für Ihre Schule finden Sie auf der Seite zum Jubiläum. Die Biberwochen laufen vom 9. bis 20. November 2026. 

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