Frau Petras, Sie gehören zu den Menschen, die den Informatik-Biber gleich aus zwei Perspektiven kennen: als Schülerin und heute als Lehrerin. Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Teilnahme?
Ja, tatsächlich. Ich erinnere mich sogar noch daran, in welchem Computerraum wir damals gesessen haben. Das ist schon erstaunlich, denn das ist viele Jahre her. Ob es einer der allerersten Informatik-Biber war, weiß ich gar nicht mehr ganz genau, die alten Urkunden liegen wahrscheinlich noch bei meinen Eltern. Aber ich habe in meiner Schulzeit auf jeden Fall teilgenommen.
Wir waren damals eine naturwissenschaftliche Klasse und hatten dadurch schon früh Informatikunterricht. Das war damals noch nicht selbstverständlich. Deshalb gehörte der Informatik-Biber für uns irgendwie ganz selbstverständlich dazu.
Was ist Ihnen von damals besonders in Erinnerung geblieben?
Vor allem, dass es Spaß gemacht hat. Wenn ich heute zurückblicke, dann sind es oft gar nicht die normalen Unterrichtsstunden, an die ich mich erinnere, sondern besondere Dinge: Wettbewerbe, Projekte oder Veranstaltungen, die den Schulalltag unterbrochen haben.
Als ich später überlegt habe, was ich studieren möchte, habe ich mit meiner Mutter darüber gesprochen, was mir in der Schule eigentlich besonders Freude gemacht hat. Dabei kamen wir immer wieder auf genau solche Erfahrungen zurück. Ich glaube, gerade Wettbewerbe bleiben einfach im Gedächtnis.
Was unterscheidet den Informatik-Biber von anderen Wettbewerben?
Für mich ist die größte Stärke, dass man praktisch ohne Vorwissen teilnehmen kann. Man muss keine Programmiersprache beherrschen oder Fachwissen auswendig gelernt haben. Man probiert einfach aus.
Entweder löst man eine Aufgabe, oder eben nicht. Aber man geht nicht aus dem Wettbewerb heraus und denkt: „Ich konnte gar nichts.“ Dieses Gefühl entsteht beim Informatik-Biber viel seltener als bei anderen Wettbewerben.
Außerdem sind die Aufgaben sehr lebensnah. Sie fühlen sich nicht wie klassische Schulaufgaben an, sondern eher wie spannende Knobelaufgaben.
Hat der Informatik-Biber Ihren Blick auf Informatik verändert?
Ich glaube schon. Als Schülerin nimmt man den Wettbewerb gar nicht unbedingt als Informatik wahr. Man erlebt ihn eher als Knobelwettbewerb.
Gerade das finde ich aber so gelungen. Man beschäftigt sich mit informatischem Denken, ohne dass man ständig das Gefühl hat, jetzt gerade Informatik zu machen. Erst im Nachhinein wird einem klar, dass genau diese Art zu denken eigentlich Informatik ist.
Wenn der Wettbewerb im Informatikunterricht stattfindet, wird dieser Zusammenhang natürlich noch deutlicher.
War für Sie damals schon klar, dass Sie später Informatiklehrerin werden würden?
Überhaupt nicht. Eigentlich wollte ich sogar auf keinen Fall Lehrerin werden, weil immer alle gesagt haben, dass ich bestimmt einmal Lehrerin werde.
Ich habe zunächst Mathematik und Chemie studiert. Informatik kam erst später als zusätzliche Ausbildung dazu. Als ich dann Informatik unterrichtet habe, war für mich allerdings ziemlich schnell klar, dass auch der Informatik-Biber selbstverständlich dazugehört. Ich kannte den Wettbewerb ja schon aus meiner eigenen Schulzeit.
Außerdem spielte Informatik in meiner Familie immer eine Rolle. Meine Mutter ist ebenfalls Informatiklehrerin und organisiert den Informatik-Biber schon seit vielen Jahren. Dadurch war der Wettbewerb für mich eigentlich immer präsent.
Wie war es, den Informatik-Biber plötzlich als Lehrerin zu erleben?
Erstaunlicherweise gar nicht so anders. Ich mache den Wettbewerb selbst meistens mit. Das finde ich wichtig, weil man dadurch die Aufgaben selbst erlebt und auch ein Gefühl dafür behält, wie Schülerinnen und Schüler sie wahrnehmen.
Mein Blick auf den Wettbewerb hat sich deshalb gar nicht so sehr verändert. Für mich waren Wettbewerbe immer etwas Positives, jedenfalls dann, wenn sie keinen unnötigen Leistungsdruck erzeugen. Genau das gelingt dem Informatik-Biber sehr gut.
Wie erleben Ihre Schülerinnen und Schüler den Wettbewerb?
Ich habe den Eindruck, dass der Einstieg unglaublich niedrigschwellig ist. Viele merken ziemlich schnell: Das kann ich ja.
Besonders spannend finde ich, dass häufig genau die Kinder erfolgreich sind, die im normalen Unterricht gar nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen. Schülerinnen und Schüler, die sehr logisch denken können, aber vielleicht eher ruhig sind oder sich in klassischen Leistungssituationen manchmal selbst im Weg stehen, zeigen beim Informatik-Biber plötzlich, was sie können.
Das finde ich unglaublich schön zu beobachten.
Kann der Wettbewerb dadurch auch Selbstvertrauen stärken?
Ja, davon bin ich überzeugt.
Ich hatte einmal einen Schüler, der grundsätzlich keine Wettbewerbe mochte. Er hatte vorher an keinem einzigen freiwillig teilgenommen. Beim Informatik-Biber konnte ich ihn schließlich doch überzeugen.
Hinterher habe ich ihn gefragt, warum das diesmal funktioniert hat. Seine Antwort fand ich sehr spannend. Er meinte sinngemäß: „Das war ja gar nicht wie ein Wettbewerb. Wir haben einfach am iPad geknobelt.“
Genau diese niedrige Einstiegshürde nimmt vielen Kindern die Angst. Danach war das Thema Wettbewerbe für ihn insgesamt viel weniger negativ besetzt.
Welche Kompetenzen entwickeln Schülerinnen und Schüler durch den Informatik-Biber?
Natürlich logisches Denken. Aber längst nicht nur das.
Die Aufgaben fördern Kreativität, problemlösendes Denken und die Fähigkeit, bekannte Denkmuster zu verlassen. Es geht darum, neue Lösungswege auszuprobieren.
Wenn Schülerinnen und Schüler zu zweit arbeiten, kommt außerdem Teamarbeit dazu. Sie müssen miteinander diskutieren, Ideen austauschen und gemeinsam Entscheidungen treffen. Auch das gehört für mich zu informatischem Denken.
Hat sich der Wettbewerb im Laufe der Jahre verändert?
Der Grundgedanke ist für mich gleich geblieben.
Natürlich verändern sich die Themen mit der Lebenswirklichkeit der Kinder und Jugendlichen. Die Aufgaben greifen aktuelle Beispiele auf und bleiben dadurch modern. Aber die eigentliche Idee, Informatik verständlich, alltagsnah und ohne Hürden erlebbar zu machen, ist aus meiner Sicht dieselbe geblieben.
Was würden Sie Kolleginnen und Kollegen sagen, die den Informatik-Biber noch nicht kennen?
Einfach ausprobieren.
Der organisatorische Aufwand hält sich wirklich in Grenzen, der Gewinn für die Schülerinnen und Schüler ist aber groß.
Besonders gut gefällt mir inzwischen auch, dass man frühere Aufgaben im Unterricht einsetzen kann. So können die Kinder vorher ausprobieren, wie die Aufgaben funktionieren. Das nimmt vielen die Unsicherheit.
Gibt es trotzdem etwas, das Sie sich für die Zukunft wünschen würden?
Ja. Ich fände einen echten Teamwettbewerb spannend.
Informatik ist in der Praxis schließlich selten eine Einzelleistung. Große Projekte entstehen gemeinsam. Unterschiedliche Menschen bringen unterschiedliche Stärken ein.
Deshalb würde ich mir wünschen, dass dieser Teamgedanke noch stärker sichtbar wird. Nicht nur zwei Schülerinnen oder Schüler gemeinsam an einer Aufgabe, sondern ein Wettbewerb, bei dem Gruppen gemeinsam Lösungen entwickeln, sich organisieren und ihre unterschiedlichen Fähigkeiten einbringen.
Ich glaube, das würde auch zeigen, dass Informatik eben kein Fach für Einzelkämpfer ist, sondern ganz viel mit Zusammenarbeit zu tun hat.
Der Informatik-Biber feiert in diesem Jahr seine 20. Auflage. Was wünschen Sie dem Wettbewerb?
Ich wünsche ihm, dass er genau das beibehält, was ihn seit vielen Jahren auszeichnet: diesen einfachen Zugang zur Informatik.
Der Informatik-Biber zeigt Kindern und Jugendlichen, dass Informatik nichts ist, wovor man Angst haben muss. Man darf ausprobieren, nachdenken, Fehler machen und Lösungen finden.
Und vielleicht ist genau das sein größter Erfolg: Dass viele Schülerinnen und Schüler am Ende gar nicht merken, dass sie gerade Informatik gelernt haben.