Der erste Informatik-Biber
Erinnerst du dich noch an deinen ersten Informatik-Biber? Wie bist du damals überhaupt darauf aufmerksam geworden?
Ja, ich erinnere mich noch daran. Zur Teilnahme kam es einfach dadurch, dass unser Lehrer gesagt hat: In dieser Unterrichtsstunde macht ihr den Biber. Das war schlicht der Inhalt einer Unterrichtsstunde im Informatikunterricht der 11. Klasse, im November 2021. Der Biber hat mich also nicht zur Informatik gebracht, Informatikunterricht hatte ich zu dem Zeitpunkt schon rund zweieinhalb Jahre, da es ein Pflichtfach war. Der Biber war aber tatsächlich das, was ins Rollen gebracht hat, dass ich mehr als nur den Informatikunterricht gemacht habe.
Was hat dich damals an den Aufgaben besonders begeistert?
Ich mag es generell, ein bisschen zu knobeln, und das hat mich an die Mathe-Wettbewerbe erinnert, die ich schon jahrelang vorher gemacht hatte. Es hat mir einfach Spaß gemacht, Knobelaufgaben zu lösen. Vom fachlichen Anspruch her war es mir persönlich allerdings ein bisschen zu gering, und das war auch der Grund, weshalb ich mich selbst informiert habe, welche anderen Wettbewerbe es noch gibt. So bin ich auf den Jugendwettbewerb Informatik gestoßen, denn zu dem Zeitpunkt konnte ich noch gar nicht programmieren und suchte etwas, das etwas schwieriger ist, aber auch ohne Programmierkenntnisse machbar.
Hat der Informatik-Biber dein Bild von Informatik verändert, schließlich denken viele beim Stichwort Informatik zuerst ans Programmieren?
Das weiß ich tatsächlich gar nicht so genau. Zu dem Zeitpunkt, als ich den Biber gemacht habe, dachte ich mir selbst: Das fühlt sich irgendwie gar nicht so sehr nach Informatik an, das sind ja eher Knobelaufgaben. Mittlerweile weiß ich aus dem Studium, dass Programmieren tatsächlich nur der geringste Teil der Informatik ist. Ich würde eher sagen, dass ich heute einen anderen Blick auf den Biber habe, als dass der Biber mir damals einen anderen Blick auf die Informatik gegeben hätte. Mittlerweile sehe ich viel mehr, dass die Aufgaben tatsächlich etwas mit Informatik zu tun haben.
Würdest du sagen, dass der Informatik-Biber deine Begeisterung für Informatik überhaupt erst geweckt hat, oder war das Interesse schon vorher da?
Grundlegend geweckt hat er das Interesse nicht, aber er hat den Anstoß gegeben, mich auch in der Freizeit damit zu beschäftigen. Weil ich mich nach dem Biber selbst informiert habe, welche anderen Wettbewerbe es gibt, bin ich auf den Jugendwettbewerb gestoßen. Durch den Jugendwettbewerb wurde ich dann zu den Girls Camps eingeladen, bin darüber zum EGOI-Training gekommen, und so weiter. Das hat eben alles durch den Biber angefangen, vorher hatte ich nur den Informatikunterricht.
Wann hast du gemerkt, dass diese Begeisterung vielleicht mehr sein könnte als nur ein Hobby?
Die Idee, dass ich Informatik studieren könnte, kam ungefähr zu der Zeit auf, als ich am Jugendwettbewerb teilgenommen habe, also ein paar Monate nach dem Biber. Mit der Zeit, als ich dann vor allem im Bereich der Mädchenförderung aktiver wurde, ist der Plan immer konkreter geworden.
Vom Jugendwettbewerb zum Bundeswettbewerb Informatik
Nach dem Informatik-Biber hast du auch am Jugendwettbewerb Informatik teilgenommen. Wie kam es dazu?
Das war der nächste logische Schritt: Beim Jugendwettbewerb war es gut, dass er fachlich etwas anspruchsvoller war, man aber keine Programmiersprache können musste. Das war deshalb ein guter Einstieg in Programmierwettbewerbe, der Bundeswettbewerb Informatik wäre mir zu diesem Zeitpunkt noch zu hoch gewesen, weil ich noch nicht programmieren konnte. Eine Programmiersprache wie Blockly kann man sich aber ganz gut nebenbei beibringen.
Was hat dir der Jugendwettbewerb Informatik zusätzlich mitgegeben oder ermöglicht?
Ohne den Informatik-Biber hätte ich den Jugendwettbewerb wahrscheinlich nicht kennengelernt, und dementsprechend auch nicht den Bundeswettbewerb Informatik. Vom Bundeswettbewerb hatte ich zwar schon einmal gehört, aber sicherlich nicht daran teilgenommen.
Und wie ist es dir beim Bundeswettbewerb Informatik ergangen?
Ich habe zweimal teilgenommen und bin beide Male in die zweite Runde gekommen, habe sie aber beide Male nicht bearbeitet, einmal wäre ich zu etwas eingeladen worden, das aber Geld gekostet hätte, und ich hatte auch nicht die Zeit dafür.
Du warst außerdem beim EGOI-Training dabei.
Ja, als Teilnehmerin. An der EGOI selbst habe ich aber leider nicht teilgenommen, ich bin knapp an der Auswahl gescheitert. Im Training war ich eigentlich die ganze Zeit mit an der Spitze, beim ersten Auswahlcontest war ich sogar als Erste fertig. Den entscheidenden zweiten Contest habe ich dann aber nicht gut hinbekommen, und das hat gereicht, um knapp vorbeizurutschen. Das war damals schon ein bisschen frustrierend. Trotzdem habe ich durch das Training extrem viel gelernt.
Girls Camps: von der Teilnehmerin zur Betreuerin
Du warst selbst beim allerersten Girls Camp als Teilnehmerin dabei. Wie viele Camps hast du insgesamt als Teilnehmerin und wie viele als Betreuerin mitgemacht?
Als Teilnehmerin waren es glaube ich zwei, vielleicht auch drei Camps, das weiß ich nicht mehr ganz genau. Als Betreuerin sind es ungefähr fünf gewesen.
Welche Rolle haben der Informatik-Biber und der Jugendwettbewerb dabei gespielt, dass du dich für ein Informatikstudium entschieden hast?
Die Wettbewerbe haben mich generell in der Freizeit in Richtung Informatik gebracht und vor allem auch in die Mädchenförderung. Die Idee, eventuell Informatik zu studieren, hatte ich zwar schon vorher, aber durch all diese Wettbewerbe, Camps und Trainings hat sich diese Idee mit der Zeit immer weiter verstärkt.
Wie fühlt es sich an, jetzt selbst auf der anderen Seite zu stehen und als Betreuerin junge Menschen für Informatik zu begeistern?
Ich finde es persönlich sehr schön, das, was ich selbst erleben durfte, auch an andere weiterzugeben. Und es macht generell Spaß, Leuten zu helfen.
Gab es auf deinem Weg Menschen, die dich besonders ermutigt oder inspiriert haben, Lehrkräfte, Familie oder andere Teilnehmende?
Dass ich Lust hatte, Informatik zu studieren, war eher fachlicher Natur, ich fand das Thema einfach spannend, und es hat mir Spaß gemacht. Aber es gab auf jeden Fall auch Leute, die ich cool fand. Eine Person, die mir da konkret einfällt, ist Katharina. Ich fand es beeindruckend, dass sie kaum ein Jahr älter war als ich, aber schon richtig weit im Studium war, während ich noch in der Schule war, und das, ohne dabei überheblich zu sein. Sie war beim EGOI-Training außerdem eine der Hauptbetreuerinnen meiner Kleingruppe.
Welchen Mehrwert siehst du in der Vernetzung, die durch die Wettbewerbe und Camps entsteht?
Ich denke, dass es auf jeden Fall ein Mehrwert ist, andere Leute kennenzulernen. Ich persönlich habe die Kontakte über die Camps hinaus jetzt nicht aktiv weiterverwendet, indem ich Leute noch einmal angeschrieben hätte, aber der Austausch mit anderen während der Camps selbst finde ich auf jeden Fall sehr wertvoll.
Fähigkeiten, Erinnerungen und die Faszination Informatik
Welche Fähigkeiten hast du durch die Wettbewerbe besonders entwickelt, fachlich, aber vielleicht auch persönlich?
Beim Bundeswettbewerb fällt mir vor allem ein, dass man dort eine Dokumentation schreiben muss, was man im Alltag sonst gar nicht macht, das ist wahrscheinlich der erste Kontakt, den man damit hat. Fachliche Expertise hat mir vor allem das EGOI-Training gegeben, mit all den Algorithmen, die wir dort gelernt haben. Das war ungefähr der halbe Inhalt eines späteren zweisemestrigen Uni-Moduls, es gibt an meiner Uni das Modul Algorithmen und Datenstrukturen mit zehn Credit Points, und da kannte ich schon einiges, und zwar explizit aus dem EGOI-Training. Manche Inhalte, wie Tiefensuche und Breitensuche, lernt man teilweise auch schon in den Camps kennen, die anderen eher im EGOI-Training.
Gibt es ein Wettbewerbserlebnis oder eine Aufgabe, an die du dich heute noch besonders gerne erinnerst?
Da fällt mir gerade keine einzelne Aufgabe ein. Was mir eher in Erinnerung geblieben ist, ist der Weg, der sich daraus entwickelt hat: vom ersten Biber über den Jugendwettbewerb und die Girls Camps bis zum EGOI-Training. Gerade das Training war fachlich sehr prägend, weil ich dort viele Algorithmen kennengelernt habe, die später im Studium wieder vorkamen. Auch wenn es am Ende knapp nicht für die EGOI gereicht hat, war das insgesamt eine sehr wertvolle Erfahrung.
Was fasziniert dich bis heute an der Informatik?
Ich finde persönlich vor allem die theoretischen Seiten besonders interessant, also Themen wie Sprachen, Berechenbarkeit und Logik. Mich interessiert daran, dass Informatik eben viel mehr ist als nur Programmieren und dass man sich mit sehr grundsätzlichen Fragen beschäftigen kann. Aktuell belege ich auch Module, die mehr in Richtung Softwareverifikation gehen. Das sind die Bereiche, in denen ich mich im Studium im Moment am stärksten wiederfinde.
Ein Rat für andere
Was würdest du jungen Menschen sagen, die denken: „Informatik ist bestimmt nichts für mich“?
Eine Sache, die viele nicht wissen, insbesondere wenn sie noch nicht viel mit Informatik zu tun hatten: Informatik ist eben nicht nur Programmieren. Sie hat viele unterschiedliche Bereiche, und oft merkt man erst beim Ausprobieren, was einem davon liegt. Man muss dafür auch nicht sofort eine Programmiersprache können. Man kann zum Beispiel einfach einmal eine Biber-Aufgabe machen, ein bisschen knobeln und schauen, ob einem diese Art zu denken Spaß macht.
20. Informatik-Biber
Der Informatik-Biber feiert seine 20. Auflage. Wenn du auf deinen eigenen Weg zurückblickst: Wie viel davon hat eigentlich mit dieser ersten Biber-Teilnahme begonnen?
Ich würde sagen: sehr viel. Der Biber war das erste außerschulische Informatik-Format, noch in der Schule, aber das erste, was mich in den außerschulischen Informatik-Bereich gebracht hat. Danach habe ich mich selbst nach weiteren Wettbewerben umgesehen, bin zum Jugendwettbewerb gekommen, später zu den Girls Camps, zum Bundeswettbewerb und zum EGOI-Training. Der Biber war also nicht der Grund, warum ich Informatik grundsätzlich interessant fand, aber er war der Auslöser dafür, dass aus dem Schulfach viel mehr geworden ist.
Was wünschst du dem Informatik-Biber für die nächsten 20 Jahre?
Ich wünsche natürlich, dass der Biber weiter wächst und noch viel mehr Menschen daran teilnehmen. Vor allem wünsche ich ihm, dass er für viele weiterhin ein erster, unkomplizierter Kontakt mit Informatik sein kann. Nicht alle werden danach Informatik studieren oder weitere Wettbewerbe machen. Aber vielleicht entdecken einige dabei, dass Informatik viel breiter ist, als sie vorher gedacht haben, so wie ich heute auch anders auf die Aufgaben schaue als damals.
Gibt es etwas, das der Biber deiner Meinung nach besser machen könnte, zum Beispiel eine App, oder interaktivere Aufgaben?
Eine App wünsche ich mir nicht. Die Aufgaben sind ja schon verspielt und süß gestaltet, und ich finde nicht, dass man das unbedingt noch stärker in Richtung App oder Spiel verändern muss. Gerade diese Mischung ist eigentlich ganz gut: Die Aufgaben wirken zunächst leicht zugänglich, haben aber trotzdem einen informatischen Hintergrund. Ich würde deshalb eher daran festhalten, als noch mehr technische Extras einzubauen.
Sind die Aufgaben deiner Meinung nach zu kindlich für den Oberstufenbereich, oder passt das so?
Ich denke, dass es in Ordnung ist, insbesondere weil der Biber ja auch ein Einstiegswettbewerb ist. Für ältere Schülerinnen und Schüler können einzelne Aufgaben vielleicht etwas leicht oder kindlich wirken; das war bei mir damals teilweise auch so. Aber gerade das kann dazu führen, dass man sich fragt, welche anspruchsvolleren Angebote es noch gibt. Bei mir war das ja der Anstoß, nach dem Jugendwettbewerb Informatik zu suchen. Deshalb muss der Biber nicht alles gleichzeitig leisten.
Könnte man also sagen: Der Biber ist ein guter erster Schritt, ein erstes Gefühl für Informatik, bevor man sich an die Bundesweiten Informatikwettbewerbe herantraut?
Ja, natürlich. Der Biber eignet sich gut, um erst einmal auszuprobieren, ob einem diese Art von Aufgaben und informatischem Denken Spaß macht, ohne dass man schon programmieren können muss. Wenn man danach mehr möchte, gibt es mit dem Jugendwettbewerb und später dem Bundeswettbewerb gute nächste Schritte. Genau so war es bei mir: Der Biber war der Einstieg, und danach wurde es nach und nach fachlich anspruchsvoller.